Unsere Firmengeschichte beginnt 1911...
...mit dem Bau des Fagus-Werks
Das Fagus-Werk ist Zeichen einer einzigartigen Zusammenarbeit zweier sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten. Carl Benscheidt beauftragte 1911 den jungen Walter Gropius, der bis dahin noch gänzlich unbekannt war, dieses Werk zu entwerfen. Durch die Kooperation beider wurde im Unternehmen die bedeutende Architektur mit produktiven Leben erfüllt, das bis zum heutigen Tage erhalten blieb. Noch immer werden in den Räumen Schuhleisten produziert.

Carl Benscheidt
Am 07.01.1858 in Othmaringenhausen in Westfalen im Sauerland geboren wächst er als ältestes von 12 Kindern auf, kann wegen häufiger Krankheit aber nicht den väterlichen Bauernhof übernehmen. Finanzielle Knappheit versagt es ihm auch, eine weiterführende Schule zu besuchen.
Mittels naturheilkundlicher Ernährungs-und Lebensprinzipien gesundet er und möchte Medizin studieren. Weil das Vorhaben nicht glückt, lernt er stattdessen für einige Zeit an der Berufsschule in Mittweida/ Mittelsachsen.
1877-79 arbeitet er in den Naturheilanstalten in Veldes/Triest in Slowenien bei Arnold Rikli, der sich mit den Ursachen der Fußleiden seiner Patienten beschäftigt und auf die unphysiologische Form der Schuhe zurückführt. Eine Aufgabe Benscheidts bei ihm war das Maßnehmen der Patientenfüße, um fußgerechte Schuhe herstellen zu können, die zu großen Behandlungserfolgen führten.
1879 zurück in Deutschland schnitzt Carl B. selber Leisten für Freunde/Bekannte, findet aber keinen Schuhmacher. Daraufhin gründet er 1884 eine eigene Leisten-und Schuhmacherei.
Durch Eigenreklame erfährt der Leistenfabrikant Carl Behrens in Alfeld an der Leine von Benscheidt und wirbt ihn 1887 als technischen Betriebsleiter an.
Unter Carl Benscheidt als Leiter macht die Firma eine rapide Geschäftsentwicklung durch, nicht zuletzt aufgrund geknüpfter Kontakte zu den Amerikanern, die die Rahmen-Sohlen-Nähmaschine einführten und in Europa absetzen wollten. Auch durch das Abkommen zur gegenseitigen Empfehlung von Leisten und Nähmaschinen entwickelte sich die Firma Behrens binnen kürzester Zeit zur bedeutendsten Schuhleistenfabrik in Deutschland.
Massenproduktion, neue Arbeitsmittel und die Angliederung eines eigenen metallverarbeitenden Betriebs lassen eine Produktkatalogerweiterung zu. Mit Stanzmessern,-klötzen sowie Zuschneidebrettern und weiteren Produkten kann die Schuhindustrie optimaler bedient werden, was der Firma einen Vorsprung vor der Konkurrenz verschafft.
Nach dem Tode Carl Behrens' erhält C. Benscheidt neben dem Kaufmann Wilhelm Bertram die Leitung des Unternehmens. Unüberbrückbare Differenzen mit den Erben zwingen Benscheidt 1910 zum Ausstieg aus dem Unternehmen Carl Behrens.
Kurze Zeit später nimmt er erneut Verhandlungen mit den USA auf und gründet im Alter von 53 Jahren seine eigene Schuhleisten-Firma -das Fagus-Werk. Dieses wird direkt gegenüber des Gebäudes der Firma Carl Behrens errichtet.
Benscheidt kann viele Mitarbeiter von dort abwerben,weil sein damaliger Weggang beeindruckte und in aller Munde blieb. Die Produktion startet sogleich. Das Unternehmen wächst rasch heran und kann sich zum überlegenen Fabrikanten entwickeln.
Carl Benscheidt beauftragt den noch jungen und wenig bekannten Walter Gropius und die Bauhaus-Werkstätten für den Entwurf des Werkes und erteilt ihnen bis 1926 weitere Aufträge.
Am 31.08.1947 stirbt er in Alfeld.
Als erfolgreicher Unternehmer in der Schuhleistenbranche war er maßgeblich daran beteiligt, dem Industriestandort Alfeld einen anhaltend guten Ruf zu verschaffen. Prägend bis heute sind die zahlreichen Bauwerke in der Stadt, die auf Benscheidt zurückzuführen sind. Carl Benscheidt war sich bewusst, dass Qualitätsprodukte nur von motivierten Mitarbeitern in gut ausgestatteten Fabriken hergestellt werden konnten. Zu seiner unternehmerischen Philosophie gehörten dementsprechend schon um die Jahrhundertwende eine gute Tageslichtversorgung am Arbeitsplatz, betriebliche Sozialleistungen und das Engagement im Arbeiterwohnungsbau.
In der Kommunalpolitik trat er als engagierter Modernisierer und Reformer für die Interessen der damals noch jungen Alfelder Industrie ein. Das 1911 begonnene Fagus-Werk steht, symbolisch gesprochen, auf diesem Fundament seiner Erfahrungen und Überzeugungen.

Walter Gropius
Am 18.05.1883 in Berlin geboren studiert Walter Gropius 1903-1907 Architektur an den Technischen Universitäten in München und Berlin-Charlottenburg.
1908-1910 arbeitet er bei Peter Behrens in Berlin, in dessen Büro zu dieser Zeit die programmatische AEG-Turbinenhalle aus Beton, Stahl und Glas geplant und gebaut wird. 1910 macht er sich als Architekt selbständig und gründet zusammen mit dem Architekten Adolf Meyer ein Büro in Berlin, 1911 wird er dann mit der Planung und Realisierung der Fassade des Fagus-Werks in Alfeld an der Leine beauftragt. Dieses gilt heute als ein Ursprungswerk der Modernen Architektur.
Als Mitglied des Deutschen Werkbundes ist er 1918 auch Mitbegründer des Arbeitsrats für Kunst. Er entwirft ein Konzept für die Zusammenlegung der Kunstgewerbeschule mit der Hochschule der Bildenden Künste in Weimar, um daraus eine Lehranstalt zu gründen, die als Beratungsstelle für Industrie, Gewerbe und Handwerk fungieren soll.
Dies ist der Grundstein für das Staatliche Bauhaus, das 1919 in Weimar gegründet wird, mit Gropius als Leiter. Nachdem das Bauhaus auf politischen Widerstand stößt zieht es 1925 nach Dessau um. Gropius' Plänen nach wird ein neues Bauhaus-Gebäude errichtet, ebenso Meisterhäuser. Die Werkstätten ziehen noch einmal nach Berlin um bis sich Gropius 1928 als Leiter zurückzieht.
Ab 1926 beschäftigt er sich intensiv mit dem Massenwohnbau als Lösung der städtebaulichen und sozialen Probleme und tritt für die Rationalisierung des Baugewerbes ein. Er entwirft zahlreiche Wohnbauprojekte wie die Siedlung Dessau-Törten (1926–1931), Dammerstock (1928/1929), Wohnblocks in der Siemensstadt in Berlin (1929/1930) und das Projekt Wannsee-Uferbebauung, ebenfalls in Berlin (1930/1931).
Gropius legt mit seiner Idee vom „Baukasten im Großen“ die Grundlage für die Plattenbauten in den Satellitenstädten dieser Erde. Einerseits ermöglicht die industrielle Massenfertigung die Bereitstellung von dringend benötigtem Wohnraum, andererseits anonymisiert sie das Wohnen und schafft neue soziale Probleme.
1934 geht er nach England und lehrt 1937-1952 an der Harvard University. Nachdem er 1938 auch Marcel Breuer nach Harvard geholt hat, gründet er dort mit ihm ein Architekturbüro. Zahlreiche Aufträge folgen, u.a. der Pennsylvania Pavillon für die New Yorker Weltausstellung. Sie sind dafür verantwortlich, dass in den USA das „neue Bauen“ bekannt wird.
1946 gründet Walter Gropius "The Architects Collaborative" (TAC), mit dem er zahlreiche Projekte realisiert.
Am 05.07.1969 verstirbt er in Boston.
Walter Gropius wird als überaus fortschrittlicher Künstler charakterisiert. Bereits vor dem Krieg überwand er die massiven Fassaden der Vergangenheit zugunsten gläserner, wie schwereloser Wandlösungen. In der Formensprache vermied er konsequent Historismen, Ornamentschmuck oder symbolische Werte und konzentrierte sich ganz auf die Funktionalität reiner, geometrischer Grundkörper.
Stilbildende und zukunftsweisende Entwürfe für Möbel und Hausrat ebenso wie für Eisenbahnwaggons und Autos (Modelle für Adler, 1930) vervollständigen das Oeuvre des Walter Gropius.







